Beratung im Berufsleben – Ein wesentlicher Faktor

In den letzten Jahren, speziell während der Pandemie, ist der Bedarf nach Beratung in meinem beruflichen Bereich Human Resources stark gestiegen. Die reine fachliche Information war nicht mehr ausreichend, um den beruflichen Alltag der Mitarbeiter*innen zu unterstützen. Bedingt durch den veränderten Alltag aufgrund der Pandemie hat sich eine Welt entwickelt, welche als BANI-Zeitalter beschrieben wird (Artikel „Facing the Age of Chaos“, Jamais Cascio, 2020). Dieses Zeitalter ist brüchig („Brittle“), ängstlich („Anxious“), nicht linear („Non-linear“) und unfassbar („Incomprehensible“). Legt man nun das BANI-Modell auf den aktuellen Arbeitsalltag und die Arbeitsherausforderungen um, konnte ich einige Parallelen erkennen.

Unsere Organisation war nicht mehr stark, sie war dabei zu brechen, weil sich viele Dinge zugleich, massiv verändert haben. Begleitet durch die ständige Angst falsche Entscheidungen zu treffen, haben auch noch die gesetzten Schritte oft nicht zu den erwünschten Ergebnissen und Handlungen geführt. Es sind auch sehr viele Entscheidungen während der Pandemie getroffen worden (Regierung, Unternehmen, usw.), sodass oft die Auswahl der Maßnahmen nicht verstanden wurde. Ein „chaotischer“ Zustand, welcher erst beruhigt und aufgefangen werden musste, bevor es dann an die eigentliche Problem- und Lösungsfindung geht.

Aufgrund dieser Punkte konnte ich sehen, dass die Mitarbeiter*innen im Alltag eine Begleitung in ihren Entscheidungs- und Entwicklungsprozessen brauchten. Aus meinem Studium bzw. durch Selbststudium konnte ich mir ein paar allgemeine Methoden anlernen um den bestmöglichen Support zu gewährleisten. Nach und nach merkte ich, dass es mehr braucht um diesen wichtigen Bereich der Beratung komplett auszufüllen. Aus diesem Grund entschied ich mich diesen Kurs zu absolvieren.

Erkenntnisse und Anwendung der Kursinhalte

Das wesentliche Learning aus dem Kurs war für mich die Rolle des*der Beraters*in. Diese*r übernimmt in einer Beratungsrolle nicht regulär die Verantwortung für inhaltlich Themen, vielmehr für den Prozess. Der geglaubte Ansatz meinerseits Experte*in in jedem Bereich sein zu müssen, um die maximale Unterstützung bieten zu können, war nicht zu treffend. Der Ansatz ist ein viel größerer und wesentlicher, wo es ganz stark um den Faktor Vertrauensaufbau geht. Der*Die Berater*in schützt, unterstützt und fördert seine Beratenden und gibt keine inhaltlichen Lösungen vor.
Wie war nun dieser Punkt für mich in der Praxis umsetzbar und was hat sich an meiner Herangehensweise in der Rolle als Beraterin geändert?

Als interne Beraterin, also Angestellte des Unternehmens in der Rolle einer Beraterin, sind viele Punkte bereits in der Vorbereitung erleichtert worden. Beispielweise in der Phase der Situationsschilderung, war es mir möglich durch gezielte Fragestellungen die Situation schneller und neutraler erfassen zu können als zuvor. Die gezielten Fragestellungen, die im Kurs genau behandelt wurden und sehr praxisnah sind, waren in jeder anderen Beratungsprozessphase hilfreich.

Bezugnehmend auf das oben genannte BANI-Zeitalter, konnte ich „chaotische“ Situationen durch systemische Fragen gut beruhigen. Wir konnten aus sehr vielen Problemen das eigentliche Problem herausarbeiten und Schritt für Schritt Maßnahmen setzen, die langfristig zur gewünschten Lösung führten. Der Beratungsprozess dauert jetzt länger, da ich die Experten-Sichtweise als Beraterin zur Seite gelegt habe, die persönlichen Erfahrungen oder Ratschläge den Mitarbeiter*innen nicht mehr weiterleite, auch wenn sie danach gefragt haben. Ich merke jedoch, dass die Mitarbeiter*innen mit der Erarbeitung eigener Lösungen zufriedener sind und die Umsetzung der Maßnahmen mit mehr Motivation vorantreiben.

Die Rolle der Komplementärberatung führe ich weiterhin in meiner weiteren Rolle als Organisationsentwicklerin aus. Hier ist meine fachliche Expertise im Bereich HR relevant sowie jedoch auch die nun neu erworbenen Fähigkeiten als Beraterin in der Prozessbegleitung. Persönlich fühle ich mich nun sicherer in meiner Rolle als interne Beraterin. Ich konnte nicht nur beruflich wachsen, sondern habe auch Vieles für mein Privatleben mitnehmen können. Beratung ist für mich definitiv nicht mehr aus der Berufswelt zu denken und sollte von jedem Unternehmen für seine Mitarbeiter*innen angeboten werden.

Kurs: Beratungskompetenz
Autor*in: Ivana R.

am 06.04.2024 von Studienberatung erstellt