Burnout im Gesundheitswesen

Der Begriff „Burnout“ ist aktuell mehr denn je in aller Mund, doch was heißt das?
„Das Burnout-Syndrom bezeichnet einen Zustand, bei dem der*die Patient*in durch andauernden beruflichen Stress derart belastet ist, dass sich ein Zustand physischer und emotionaler Erschöpfung mit deutlich reduzierter Leistungsfähigkeit einstellt.

ICD10-Code: Z73 – Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
ICD11-Code: QD85 – Burnout“ (DocCheck Flexicon, 23.01.2023)

Genau das trifft leider auf sehr viele Personen im Gesundheitswesen zu. Leider gibt es keine aktuellen Studien, wie viele genau. 2020 waren Jobs in der Pflege auf Platz 3 mit der höchsten Burnout-Rate.

Kein Wunder, denn Zeitstress, Arbeitsdruck, immer komplexere Aufgaben, Fortbildungspflicht, Dienste von kranken Kollegen und Kolleginnen übernehmen und die psychischen Belastungen wirken sich natürlich auch auf die Psyche aus.
Die Folgen: mehr als 50% leiden unter Schlafstörungen, 6 von 10 Pflegekräften sind erschöpft und ausgelaugt. 70% haben Muskelverspannungen und Rückenschmerzen. Ein Viertel hohen Blutdruck und ein Fünftel Herzrasen. (vgl. Studie der Arbeiterkammer OÖ).

Aber was kann man tun? Wie kann man dem entgegenwirken? Was kann im Bereich der Gesundheitsförderung getan werden?

  1. Distanz zur Arbeit aufbauen. Gewisse Arbeitsbedingungen erzeugen Stress. Müssen wir wirklich an unseren freien Tagen erreichbar sein und warten, ob das Telefon klingelt und wir einspringen müssen? Immerhin bekommen wir keine Bereitschaftszulage gezahlt, also ist die Frage klar mit „nein“ zu beantworten. Aufgaben delegieren, denn schließlich muss man nicht alles alleine schaffen. Pausen zu machen, ist ein wesentlicher Faktor.
  2. Man muss nicht immer perfekt sein.
  3. Lernen „Nein“ zu sagen. Falls man dann nun mal doch vom Telefon abgehoben hat, muss man auch lernen, dass man einen Dienst auch ablehnen kann. Vor allem dann, wenn man selbst schon am Limit ist.
  4. Erholung ist das Wichtigste. Die Freizeit dient zum Ausgleich von dem ganzen Stress in der Arbeit. Sport, ein Hobby oder die Zeit mit der Familie ganz bewusst zu nutzen ist wichtig, um zur Ruhe zu kommen.
  5. Entspannungsübungen. Vielleicht hilft Yoga, Meditation oder autogenes Training, um Stress abzubauen. Der*die Arbeitgeber*in könnte hier 3x die Woche geführte Kurse nach der Dienstzeit anbieten.
  6. Sport, Sport, Sport. Er hält uns fit und gesund. Expert*innen empfehlen mindestens 3x die Woche eine halbe Stunde. Dieser würde auch sehr gut gegen die Rückenschmerzen helfen. Auch hier könnte der*die Arbeitgeber*in Kurse anbieten oder spezielle Konditionen in Fitnessstudios aushandeln.
  7. Freude gönnen. Man sollte sich jeden Tag etwas Schönes gönnen. Das muss nichts materielles sein. Aber darunter fällt auch, dass man sich bewusst Zeit für sich selbst nimmt. Einem Hobby nachgehen, sich mit Freund*innen treffen oder einen Ausflug mit der Familie machen.
  8. Das Selbstwertgefühl steigern. Auch wenn es einem am Anfang schwer fällt, wäre es wichtig, dass man jeden Abend aufschreibt, was man am Tag gut gemacht hat.
  9. Stress erkennen. Es ist unglaublich wichtig zu erkennen, was genau einen stresst, um ihn dann zu reduzieren.
  10. Ziele. Lang- und kurzfristige Ziele finden und stecken, um wieder träumen zu können.

 

All das sind Tipps, die man sehr gut im Alltag integrieren kann. Vielleicht wäre es sehr gut, wenn der*die Arbeitgeber*in dahingehend eine anonyme Umfrage unter den Mitarbeiter*innen durchführt, um dann spezielle Angebote bringen kann. Fortbildungen in der Dienstzeit motivieren Mitarbeiter*innen eher hinzugehen und machen es vielleicht leichter, ihre Probleme einzugestehen. Es sollte auch möglich sein, einen Spezialist*innen aufzusuchen und professionelle Hilfe zu erhalten. Da kann man sicher als Arbeitgeber*in spezielle Konditionen bei einem*einer Psycholog*in aushandeln.

Auch wäre es erstrebenswert, Arbeitsschuhe, die eine Entlastung für den Rücken bringen, anzubieten oder orthopädische Einlagen anpassen zu lassen. Wenn man hier viertel- oder halbjährlich eine Fremdfirma ins Haus holt und den Mitarbeiter*innen 15min in der Dienstzeit zur Verfügung stellt, um sie sich anpassen zu lassen.
All das sind Möglichkeiten, die für einen großen Arbeitgeber leicht zu organisieren sind und sicher enorm zur Mitarbeiterzufriedenheit und Burnout Prophylaxe beitragen.
Es muss doch möglich sein, die Mitarbeiter*innen zu schützen und ihnen zu helfen.

Im Rahmen der Ausbildung habe ich sehr viel lernen können und habe einen guten Überblick über viele Themenbereiche erhalten. Als Pflegekraft liegt mir die Gesundheitsförderung sehr am Herzen. Deswegen möchte ich, nach Abschluss der Ausbildung, einen Arbeitskreis in „meinem“ Krankenhaus bilden und mit den anderen Berufsgruppen einen gesundheitsfördernden Plan entwickeln, um die Mitarbeiter*innen zu entlasten und ihnen ein positives Arbeitsumfeld zu bieten.

Lehrgang: Diplomierte*r Gesundheitsmanager*in
Autor*in: Marie-Therese K.

am 11.12.2023 von Studienberatung erstellt