Erfahrung als integraler Teil unserer Wirklichkeit

In der Auseinandersetzung mit den Kursinhalten des Systemischen Denkens und Handelns, war ich
einerseits fasziniert von der Breite des systemischen Ansatzes – so kann ich mit dieser „Brille“ auf die
Natur, auf Tiere, auf Organisationen, sowie auf den Menschen als biologisches System bzw. den
Menschen in sozialen Systemen schauen.

Andererseits hat mich beeindruckt, wie alltagspraktisch systemisches Denken und Handeln für mich
selbst als Person und in Beziehungen ist, sowie die positive, ressourcenorientierte Haltung Energie und
Selbstwirksamkeit fördern. Da ich selbst in meiner Therapieausbildung geprägt wurde durch eine starke
Ausrichtung auf Vergangenes, erlebe ich den systemischen Ansatz sehr erfrischend.

Beispielsweise die Überlegungen zum Konstruktivismus, eigenes Denken als Wirklichkeitskonstruktion
zu verstehen und auch der Gedanke, dass diese auf die Wirklichkeitskonstruktion anderer Menschen trifft,
erlebe ich als sehr bereichernd. Dies bringt mir Distanz zu meinem eigenen Denken, dieses nicht immer
ganz so ernst zu nehmen und ermöglicht mir auch (manchmal) die Reaktionen anderer in einem anderen
Licht zu sehen. Dafür muss ich sie noch gar nicht verstanden haben, ich kann einfach nur annehmen, dass
dahinter eine Wirklichkeitskonstruktion steht. Im Kontext der Integrativen Therapie erinnert mich dies an
das Prinzip der „Alterität“, also das Wissen um die Verschiedenheit.

Ein weiteres Prinzip – zirkulär und nicht linear in Ursache-Wirkungszusammenhängen zu denken – finde ich
sowohl privat als auch beruflich sehr bereichernd. Auch wenn dies tatsächlich nicht leicht zu
verinnerlichen ist. Ich bemerke, gerade in emotionalen Situationen in ein lineares Denken zu verfallen, wo
es deutliche kognitive Anstrengung benötigt, aus diesem wieder auszusteigen.

Der Kurs hat mich des weiteren dazu angeregt, mich mit vertiefender Literatur, vor allem praxisnahen
Büchern zu beschäftigen. Unter anderem „Fragen könne wie Küsse schmecken“ von Carmen Kindl-
Beilfuß. Wie in der systemischen Haltung u.a. die Wichtigkeit des Interesses betont wird, so wird auch
hier ein zentrales Werkzeug der systemischen Beratung das „Fragen stellen“ beschrieben.

Ich erlebe es häufig so, dass es im Erstgespräch noch leichter ist unvoreingenommen und offen Fragen stellen zu
können. Im Sinne einer systemischen Haltung hilft mir hier die Vorstellung „Fragen zu stellen wie ein
Kind“, selbst neugierig zu sein und damit Neugierde zur Selbsterforschung und Lösungsfindung auf der
anderen Seite zu wecken. Wie Emanuel Levinas sagt: „Einem Menschen begegnen heißt, von einem
Rätsel wach gehalten zu werden“. Denke ich an das im Kurs gelernte zum Thema Konstruktivismus, sehe
ich hier eine Parallele zur im genannten Buch beschriebenen Konstruktion von „guten“ Fragen. Hier
werden Wörter wie beispielsweise „hyperaktiv“ zu „lebendig“, „schüchtern“ zu „vorsichtig“ umformuliert
und damit innere Wirklichkeiten verändert.

Weitere Inhalte, die mir einprägsam in Erinnerung bleiben werden sind die Beiträge von Prof. Kruse über
Kreativität und Intuition. Ein für mich neuer Gedanke war hier, Intuition als Erfahrungswissen zu
verstehen und entsprechend zu berücksichtigen, in welchem Kontext die Person ihr Erfahrungswissen
erworben hat. Ähnlich wie wir unsere Beziehungserfahrungen in einem bestimmten Kontext bzw. System
erworben haben, so muss dies in anderen Systemen nicht notwendigerweise passend oder hilfreich sein.

Insgesamt konnte ich mir noch viele weitere Inhalte aus dem Kurs mitnehmen und merke wie dieser Kurs
meine Neugierde und Motivation geweckt hat mich weiter vertiefend mit dem systemischen Ansatz zu
beschäftigen.

Kurs: Systemisches Denken und Handeln
Autor*in: Sandra A.

am 19.01.2024 von Studienberatung erstellt