Haltung im Beratungsprozess

Dies ist ein Thema, das mich schon seit langer Zeit beschäftigt und begleitet. Ich bin im Sozialbereich
tätig und, vor allem in den letzten Jahren, in einem beratenden Setting. Daher ist es
für mich immer wieder wichtig, die „richtige“ Haltung im Beratungsprozess einzunehmen, um meine
Klient*innen bestmöglich unterstützen zu können und ihre eigene Entwicklung zu fördern.

Entsprechend setze ich mich schon seit einigen Jahren sehr aktiv damit auseinander, wie diese
Haltung genau aussehen kann, die Richtige Mischung zu finden zwischen einerseits hilfreich zu sein
und anzuleiten und andererseits keine Vorgaben zu machen und die Klient*innen selbst ihre
Lösungen und den für sie richtigen Weg erarbeiten zu lassen. Wenn ich ehrlich bin, fällt es oftmals
nicht ganz leicht, sich bei Ratschlägen zurückzuhalten, denn – wer kennt es nicht? – wenn man eine
Situation geschildert bekommt, schießen einem nicht selten gleich mal Ideen in den Kopf, wie man
selbst damit umgehen würde. Dass die eigene Lösung, die für mich selbst vielleicht genau richtig sein
könnte (vielleicht aber auch nicht) kann jedoch für das Gegenüber ganz falsch bzw. unpassend sein.
Dessen bin ich mir natürlich bewusst und habe gelernt, meine guten Ideen für mich zu behalten und
mit den Klient*innen ihre eigenen Ideen und Lösungen zu erarbeiten.

Dennoch fällt das nicht immer leicht. Besonders die Klient*innen, mit denen ich arbeite haben sehr
oft große Probleme, ihre Situation zu erfassen bzw. zu benennen. In vielen Fällen fehlt eine gewisse
Reflexionsfähigkeit und die Selbsteinschätzung weicht oft sehr von der Fremdwahrnehmung ab, was
den Prozess zum Teil erschwert. Zudem haben die Klient*innen nicht selten die Erwartungshaltung,
dass ich ihnen in der Beratung sagen soll, was sie machen sollen, dann machen sie es und dann läuft
alles wieder gut. Dass das natürlich überhaupt nicht möglich ist, denn selbst wenn ich ihnen „die
richtige Lösung“ (die es so natürlich nicht gibt, die aber oft erwartet wird) vorgebe, müssten sie diese
ja immer noch selbst, und im Alltag ohne ständige Anleitung, umsetzen und spätestens da kommen
dann die persönlichen Ressourcen ins Spiel. Diese müssen mit der erarbeiteten Lösung
übereinstimmen, denn sonst ist Misserfolg vorprogrammiert. Dies geht aus den Kursunterlagen auch
wunderbar hervor und die Unterlagen haben mir geholfen, das noch sehr viel klarer und bewusster
zu sehen.

Und hier beginnt ein für mich sehr wichtiger Bereich im Beratungsprozess, der in den Lernunterlagen
des Kurses auch nochmal betont wird und den ich unglaublich wichtig finde: „wir achten die
Geschwindigkeit der Selbstveränderung des Gegenübers“ wird es in den Lernunterlagen unter
anderem formuliert. Es klingt zwar vielleicht auf den ersten Blick banal, aber aus meiner eigenen
Erfahrung kann ich sagen, dass dies in der Praxis, oft gar nicht so leicht umzusetzen ist.

Zum einen haben Klient*innen, die zu mir in die Beratung kommen, oft die Hoffnung oder den
Wunsch, das Problem möglichst schnell zu lösen, bzw. eine Lösung zu bekommen, wodurch sie
manchmal einige Zeit brauchen, um sich überhaupt selbst auf den Beratungsprozess einzulassen und
zu beginnen ihre eigenen Lösungen zu erarbeiten. Nicht selten höre ich die Frage „Was soll ich
machen?“ oder „Sagen Sie mir, was ich machen soll!“ Nicht immer ist die Freude groß, wenn ich
darauf antworte, dass ich die Lösung nicht habe und wir gemeinsam darauf kommen müssen.
Zum anderen bemerke ich auch an mir, dass es Momente gibt, in denen ich ungeduldig werde. Wenn
ich bemerke, dass es einen Stillstand gibt, oder der*die Klient*in zu gewissen Erkenntnissen, die ich
für offensichtlich halte, nicht gelangt. Oder wenn ich merke, dass die Bereitschaft an sich selbst zu
arbeiten fehlt. Hier wäre es manchmal gefühlt auch für mich einfacher und im ersten Moment
befriedigender, eine mögliche Lösung vorzugeben.

Was mir durch den Kurs Beratungskompetenz auf sehr schöne und übersichtliche sowie gut
strukturierte Weise klar gemacht wurde ist, dass es eben nicht unbedingt darum geht, möglichst
schnell eine Lösung zu finden, sondern, dass in der Beratung oft „der Weg das Ziel“ ist und eine
Lösung nur dann wertvoll ist, wenn sie auch mit den persönlichen Ressourcen und Fähigkeiten der
betroffenen Person umgesetzt werden kann. In unserer sehr schnelllebigen Zeit, in der es so oft um
Geschwindigkeit und „Quick Fixes“ geht, ist es für mich sehr hilfreich das nochmal in der Deutlichkeit
zu lernen und mir jetzt in meiner Arbeit noch besser vor Augen halten zu können. Ich denke, dass das
in meinem Beruf, aber auch in meinem Privatleben einen gewissen Druck rausnehmen kann und es
mir einfacher macht, den Dingen und Menschen und auch mir selbst die Zeit zu geben, die es
braucht, um den richtigen Weg für die jeweilige Situation zu finden.

Ich habe hier nur einen Punkt aus dem Kurs Beratungskompetenz herausgegriffen, der mir besonders
in Erinnerung geblieben ist. Im Laufe des Kurses habe ich in vielen Bereichen den Eindruck gehabt,
dass die Unterlagen sehr prägnant und effizient die Punkte benennen, die im Beratungsprozess in der
Praxis manchmal verschwimmen können bzw. die man im aktiven Prozess mitunter aus den Augen
verlieren könnte. Die Unterlagen sind hier ein wunderbares Handwerkszeug, um sich wieder auf das
Wesentliche zu besinnen und im Beratungsprozess, trotz aller möglichen Turbulenzen, den Kurs zu
halten. Ich empfinde die Unterlagen als sehr übersichtlich und hilfreich dafür und als kleines
Nachschlagewerk.

Kurs: Zertifikat Beratungskompetenz
Autor*in: Lisa P.

am 08.01.2024 von Studienberatung erstellt