Resilienz bedeutet psychische Widerstandsfähigkeit

Es gibt Risiko- aber auch Schutzfaktoren, zb. eine Bezugsperson. Resilient sein bedeutet, gut durch eine Krise zu kommen und daraus zu lernen. Resilienz beruht laut Resilienz-ExpertInnen auf 7 Säulen, allerdings überschneiden sich Faktoren teilweise. Im Skriptum werden daher 11 Faktoren beschrieben, diese lauten wie folgt:

  • Selbstwahrnehmung
  • Akzeptanz
  • Lebensfreude/positive Emotionen
  • Selbstwirksamkeit/Kontrollüberzeugung
  • Selbstbestimmung/Selbstverantwortung
  • Optimismus
  • Lösungsorientierung/Coping
  • Empathie
  • Soziale Beziehungen/Networkorientierung
  • Zukunftsorientierung
  • Spiritualität

Ich habe diese Weiterbildung ausgewählt, um selbst resilienter zu werden. Resilienz kann nämlich erlernt werden. Laut Csikszentmihalyi ist „Glück ein Zustand, für den man bereit sein muss, den jeder Einzelne kultivieren und für sich verteidigen muss“ (Csikszentmihalyi 1992/2017). Ich muss selbst etwas tun, um glücklich zu sein. Ich darf mich aus der Opferrolle heraus begeben und handlungsfähig werden. Handlungsfähigkeit ist enorm wichtig und spielt auch in der Resilienz eine große Rolle. Ich bin der/die SchöpferIn meiner Welt. Aus diesem Grund habe ich mir selbst verschiedene Resilienz-Trainings angesehen und ausprobiert. Folgende Übungen konnte ich mittlerweile in den Alltag integrieren:

  • Optimismus-Tagebuch (in Form von abendlichen Gesprächen mit meinem Ehemann)
  • täglich positive Affirmationen sowie
  • täglich Ziele setzen (am besten schon am Tag zuvor, nicht unter- und nicht überfordern)

Zudem habe ich mich mit Themen in Bezug auf Resilienz auseinandergesetzt, welche in meinem Leben derzeit präsent sind, einerseits die Erziehung meines bald 2-jährigen Sohnes, andererseits der Umgang mit der Demenzerkrankung meines Vaters. Weiters bin ich in meinem Beruf mit dem Thema Arbeitslosigkeit konfrontiert, da ich als Sozialpädagogin langzeitarbeitslose Personen betreue und sie auf ihrem Weg in Richtung Arbeit am 1. Arbeitsmarkt begleiten darf.

Ich habe aus diesen Interessen heraus, zusätzliche Literatur gesucht, Podcasts gehört (während dem Spaziergang mit meinem Sohn im Kinderwagen) und Videos angesehen. In Bezug auf meinen Sohn habe ich die Faktoren Selbstwirksamkeit, Lösungsorientierung und soziale Beziehungen als besonders wertvoll erachtet. Betrachte ich die Demenz-Erkrankung meines Vaters, stehen die Faktoren Akzeptanz, Lebensfreude/positive Emotionen und Empathie im Vordergrund. Alleine diese Faktoren für mich zu benennen und mich damit näher zu beschäftigen, hilft mir in einem besseren Umgang in schwierigen Situationen.

Nun zum dritten Bereich. Was könnte ich als Sozialpädagogin tun, um meine KlientInnen im Sinne der Resilienz optimal zu unterstützen?

Viele Menschen haben es nicht nur auf Grund ihrer Biografie schwer, am 1. Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Gesundheitliche Einschränkungen (teilweise auch auf Grund von Arbeitsunfällen oder psychischen Erkrankungen) versagen ihnen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Optimismus? Fehlanzeige, oft verständlich, bei vielen Absagen oder auch Ausgrenzungen. Zukunftsplanung? Schwierig, aber vielleicht kleine Ziele setzen. Ein Beispiel: „Ich habe noch diesen einen Wunsch. Wie komme ich da hin? Muss ich Geld sparen? Wie komme ich zu Geld, dass ich überhaupt sparen kann?“ Die Motivation anregen, etwas erreichen zu wollen… Wenn ich wieder einmal etwas erreichen kann, steigt wiederum mein Optimismus…

Oder: Einfach Akzeptanz meinerseits, dass zb. derzeit nicht viel Motivation da ist oder dass es einfach nicht geht. Die Menschen begleiten und die Gegenwart „genießen“. In unserem Projekt arbeiten langzeitarbeitslose Personen als sogenannte Transitarbeitskräfte als VerkäuferInnen, im Transportwesen oder der Reinigung etc. Sie stehen für eine kurzen Zeitraum wieder im Arbeitsleben. Sie sind wieder ein Teil der Gesellschaft, können mit anderen Personen gemeinsam zb. die Mittagspause verbringen. All diese kleinen alltäglichen Dinge, die ihnen vielleicht sonst verwehrt sind, können sie neben der Arbeit erleben. Auch wenn diese Personen keine Chance mehr in unserer „strengen“ Arbeitswelt haben, kann ich das akzeptieren lernen und sehen, dass sie so viel mehr erhalten, wenn sie bei uns, wenn auch nur kurz, arbeiten. Mehr kann ich ihnen vielleicht gar nicht helfen. Akzeptanz bedeutet, all das zu integrieren, was das Leben bringt und anzunehmen, was man nicht beeinflussen und ändern kann annehmen, was ist.

Einen Punkt finde ich auch noch sehr wichtig, nämlich Humor. Wie im Skript beschrieben, tragen Lachen und Humor zur Stress- und Angstreduktion bei und stellen somit eine Bewältigungsstrategie dar. Beim Lachen werden Glückshormone (Endorphine) ausgeschüttet, das stärkt zudem auch die Immunabwehr.

Vielleicht sollte ich mit meinen KlientInnen, mit meinem Vater und meinem Sohn einfach noch mehr lachen :)

Lehrgang: Diplomierte*r Resilienz- und Stressmanager*in
Autor*in: Michaela A.

am 01.05.2024 von Studienberatung erstellt